30
Dec
2011
Feinstrukturen unter dem Mikroskop

14.05.2009 – WESTHOFEN
Von Yasmin Hameed
Ausstellung Gemeinsame Werksschau mit Thomas Schüller und Oliver Wetter in Westhofen
Was ist Fotografie; und was gemalt?
Ist diese Unterscheidung überhaupt noch möglich – und sinnvoll?
Fragen, die Thomas Schüller und Oliver Wetter derzeit mit ihren Arbeiten unter dem Titel “fantastische Realität und realistische Fantasie” in der Kaiserbad-Galerie aufkommen lassen.
Während Thomas Schüller dabei für die fantastische Realität steht, nimmt Oliver Wetter stärker die realistische Fantasie in Anspruch. Eine Grenzziehung von eher heuristischem Wert, wie die jungen Künstler jedoch betonen, denn die Grenzen zwischen Abbild und Imagination vermessen sie gleichermaßen neu.
Charakteristisch für die Arbeiten von Thomas Schüller ist die nicht selten mikroskopisch genaue Darstellung von Strukturen und Oberflächen. Als “Augenöffner”, der es verstehe, alltägliche, übersehene Dinge wieder bewusst zu machen, bezeichnete ihn daher Laudator Christian von Aster bei der Vernissage.
Soviel Sinn fürs Detail braucht Geduld und ein hervorragendes Vorstellungsvermögen: Allein vier Tage hat der in Ludwigshafen lebende Künstler mit der Airbrush-Technik an der Flügelstruktur eines Schmetterlings gearbeitet. Das Ergebnis jedoch übertrifft in seiner Genauigkeit letztlich sogar viele Fotoaufnahmen. Bahn bricht sich dieser fantastische Realismus bei Schüller selbst dort, wo es keine Gegenständlichkeit gibt. So trägt eines seiner Werke den Titel “Strukturexperiment”: Ein schlichter Hinweis auf die Technik und Zielsetzung der Arbeit, bei der sich die Frage nach dem Abbildcharakter vermeintlich gar nicht erst stellt. Doch das Spiel von Licht und Schatten, die dreidimensionale Wirkung, der lasierende Farbauftrag, verleitet den Betrachter eben doch zu dem Versuch, ein Objekt gleichsam hinter den Strukturen erkennen zu wollen. Hinsichtlich der Arbeitstechnik will sich auch der aus Konz bei Trier stammende Oliver Wetter nicht eindeutig festlegen lassen: Traditionelle Spachteltechnik auf Leinwand, Airbrush und Papiercollage oder Digitaldrucke, der Illustrator Oliver Wetter bleibt, lobte von Aster, “ein Phantast, der ganze Welten in seinen Bildern versteckt”. Wetter sei ein Geschichtenerzähler, der Geschichten für das Auge erzählt, die mal von Dali, mal von Giger inspiriert sind und auch nicht selten Anleihe bei der Mythologie nehmen.
Dass Thomas Schüller und Oliver Wetter die Ausstellung gemeinsam gestalten und sich dabei sogar auf hervorragende Weise zu ergänzen verstehen, ist letztlich kein Zufall. Beide haben am Institut für Ausbildung in Bildender Kunst und Kunsttherapie in Bochum Airbrush-Design studiert und stehen seit dieser Zeit in engem Kontakt. So eng, dass inzwischen sogar eine gemeinsame Arbeit entstanden ist, die das in ihren Bildern so eigentümliche Verhältnis von Fantasie und Realität mit einem treffenden Wort- und Bildwitz benennt.
Das Schmunzeln kann man sich denn auch schwerlich verkneifen, wenn man die “Bachforelle” aus dem Hause Wetter und Schüller erblickt. Da sitzt sie also, fotorealistisch vor einer großen Orgel, in schwarzen Zwirn gekleidet und wartet auf ihren Einsatz. Dass daraus bald eine Serie entsteht und die gemeinsame Arbeit am und mit dem Wortwitz fortgesetzt wird, bleibt nur zu hoffen.
30
Dec
2011
Zur Ausstellung: „Magischer Realismus“ Kunst Kombinat Trier – 27.03.2009
Unikate aus digitalem Ursprung
von Jens Kirschner
Diese Ausstellungen komprimieren die Kombinatler bewusst auf eine Zeitspanne von drei Tagen oder maximal einer Woche. »Die meisten Leute kommen ohnehin nur zur Vernissage, da macht es Sinn, solche Ausstellungen kurz zu halten«, meint Koehler. Die künstlerische Energie solle eben genutzt werden, wo und vor allem wann sie gebraucht wird.
Am Wochenende vom 27. bis zum 29. März stellt der »Lichtmagier« Fantasio, alias Oliver Wetter seine Werke vor. Seine Bilder beschäftigen sich mit »Magischem Realismus«, einem Stil, in dem Alltägliches mit Surrealem kombiniert wird. Wetter versucht, diesen Stil digital nachzuahmen.
Seine Werke sind eine Mischung aus zuvor erstellten digitalen Vorlagen, die er in einem zweiten Schritt zu »analogen«, handgefertigten Kollagen verarbeitet. »Ich sehe das Motiv als Seele und das Printmedium als Körper. Als Künstler ist es meine Aufgabe, aus Körper und Seele eins zu schaffen«, sagt er. Seine Technik: Die Vorlagen werden gedruckt und neu als Kollage zusammengesetzt. Dadurch entstünden trotz digitalen Ursprungs Unikate. Gerade die Einzigartigkeit seiner Werke ist dem Künstler wichtig, denn schließlich ginge es auch um die Qualität, die man weitergeben möchte.
Neben der Ausstellung seiner Bilder misst sich der 31-jährige freie Illustrator aus Konz am Samstag mit dem Kunstkombinat-Initiator in einem Collagen-Wettbewerb. »Natürlich genießt Oliver Heimvorteil«, scherzt Koehler, dessen Bilder klassisch mit Pinsel und Farbe auf die Leinwand gebracht werden. Gerade dieseAktionen sind dem Berliner Künstler wichtig, denn für ihn muss im Kunstkombinat vor allem eines stattfinden: Interaktion.
Durch den Austausch sollen insbesondere Berührungsängste genommen werden. Viele Menschen besuchen keine Kunstausstellungen, da sie befürchten, nicht genügend Verständnis und Wissen mitzubringen. Auch gegen diesen Trend will Koehler mit dem Kunst Kombinat arbeiten. Schließlich hätten auch große Kunstkritiker einst mit ihrem ersten Bild angefangen (ks).
30
Dec
2011
Ausstellung in Speyer: Kontrastverschmelzung
Rheinpfalz
Fantasy und Sadomaso: Akribisch bis ins Detail – Barbarische Kriegerinnen – Martialische Krallen – Airbrush von Christian Göbbels, Oliver Wetter und Thomas Schüller – Ausstellung der besonderen Art
Von Karl-Heinz Thenhart
Der musikalische Einstieg mit der originellen Trommelperformance-Gruppe “Hotspot” ließ bereits erahnen, dass mit der von Dr. Udo Schier vermittelten “Kontrastverschmelzung” eine Ausstellung der besonderen Art im Entree der Kreis- und Stadtsparkasse am Willy-Brandt-Platz ihren Raum gefunden hat. Die zahlreichen Vernissage-Gäste erlebten bei köstlichem Wein und frischen Brezeln einen unterhaltsamen Abend mit Bild, Wort und Ton.
Nach einer launigen Begrüßung durch Sparkassen-Vorstandsmitglied Uwe Wöhlert führte der Schriftsteller, Drehbuchautor und Schauspieler Christian von Aster mit viel Witz und Feuer in das Schaffen der drei arrivierten Airbrush-Künstler Christian Göbbels, Thomas Schüller und Oliver Wetter ein, wobei er den Impetus ihres Schaffens jeweils mit einem Zitat charakterisierte.
Christian Göbbels, Jahrgang 1974, begann anno 2000 ein Grafikstudium, das er nach sechs Semestern erfolgreich abschloss. Seit fünf Jahren stellt er seine Werke aus, aktuell mit dem Schwerpunkt auf digitaler Malerei. Bezeichnend für Göbbels’ Wirken sind Figuren im klassischen Kontext aus dem als Fantasy bezeichneten Genre.
Porträts barbarischer Kriegerinnen erinnern ausdrucksstark an nordische Sagenwelten, starke Frauenpersönlichkeiten in knapp gehaltener archaischer Tracht – besonders hervorgehoben seien die Gemälde “Guardian of the white wolf” und “Barbarian Huntress” – stellen sich trotzend dem Betrachter entgegen, weisen Göbbels als “Illustrator ungeschriebener Epen” (C. von Aster) aus. Nicht umsonst arbeitet der in Borken/Westfalen Beheimatete auch als Avatar-Entwickler für PC-Rollenspiele unter anderem des Branchenführers “Blizzard” (“World of Warcraft”). Demnächst prangen Göbbels-Ideenschöpfungen zudem auf Titelbildern der renommierten Heftreihe des Geisterjägers “John Sinclair”. Signifikant für sein Schaffen sei, so von Aster, der Ausspruch des kolumbianischen Kulturphilosophen Nicolás Dávila: “Kunst, das ist der Mensch.”
Oliver Wetter, mit 30 Jahren “Junior” der Ausstellung, propagiert die selbstverständliche Einheit von Körper und Seele, summiert zu Leben, ganz im Sinne des Juvenal’schen Diktums, in einem gesunden Körper sei ein gesunder Geist.
Das Schaffen Wetters, als Konzer nahe Trier aufgewachsen und mit römischer Kultur vertraut, steht in besagter Spannung von Innen- zur Außenwelt. Dabei bedient er sich nicht nur der Malerei, sondern integriert in seinem Œuvre Collagen und Skulpturen (hervorstechend: “Hand der Rezession”). Seine Bilder gestaltet er als Geschichten, manche schmerzlich anzusehen durch sadomasochistische Details – wie in der “Say no good”-Edition: weibliche Masken, deren Münder mittels Steckschlössern versiegelt oder von Lederriemen verzerrt sind. Das Bild “When angels are no longer desired” wird beherrscht von Türen, die nach draußen ins Wolkenhelle, doch auch Fremde führen, im Werk “The twilight angelheart” findet man Dalis Schubladen wieder, auf “Avocado Blues” blickt den Betrachter eine Katze mit Frauenkopf an, daneben schwebt die titelgebende Frucht – Hinweise auf Wetters Liebe zu surrealistischen Vorbildern und Künstlern des Fantastischen wie Klimt oder Giger.
Der “Retro-Cyberromantiker” (so von Aster augenzwinkernd) arbeite gemäß Joseph Jouberts Aphorismus: “Zeichnen ist Sprache für die Augen, Sprache ist Malerei für das Ohr.”
Als Dritter im (Künstler-)Bunde stellt sich der 1969 in Ludwigshafen geborene und lebende Thomas Schüller mit einer bunten Palette seiner Werke vor. Ins Auge springen fotorealistische, auch hyperrealistische und akribisch bis ins Detail ausgearbeitete Motive. Das Bildnis “Flämmchen 1″ etwa zeigt ein abbrennendes Zündholz, dessen Farbübergänge von Gelb über Rot hin zum bereits Schwarzverkohlten minutiös herausgearbeitet wurden. Aus dem Tableau “Uhu Fantasie” fasziniert des Waldvogels konzentrierter Blick, der bannender vom lebenden Tier nicht sein könnte. Einige der Arbeiten lassen Schüllers Liebe zu den alten Meistern erahnen (etwa “Psyche” – und anrührend schön aufgrund des eindringlichen, fast menschlichen Blickes das Tierporträt “Schimpansen”). Dass auch er dem Fantastischen zugeneigt ist, unterstreicht er mit dem Bild “Good Morning” – aus dem Frühstücksei drängen martialische Krallen an die Oberfläche.
Die sehenswerte Ausstellung ist noch bis einschließlich 6. Juni zu besichtigen. Zur Speyerer Kult(o)urnacht am 5. Juni gibt es einige besondere Schmankerl: Der “Speedcarver” und “Extremschnitzer” Sigurd Batzel wird im Höllentempo aus einem schieren Holzklotz eine kunstvolle Skulptur herausarbeiten, dass die Späne fliegen. Die tollen “Hotspot”-Trommler werden vor der Sparkasse was auf die Ohren geben und nicht zuletzt führen die Airbrusher live in die Gestaltung ihrer Kunstform ein. (Fotos: sim)
