120 Minuten Kunst im Schleudergang
Eine Ausstellung, die sich gewaschen hat
Volksfreund Trier 01.12.2009 Von Anita Lozin
Wäsche sortieren und dabei eine Kunstausstellung besuchen – das muss nicht unbedingt ein Widerspruch sein. Das Kunst Kombinat Trier hat im Waschsalon in der Brückenstraße die ungewöhnliche Aktion “120 Minuten Kunst … im Schleudergang” präsentiert.
Trier. Es war ein Erlebnis, das man nicht jeden Tag zu sehen bekommt: 15 Künstler des Kunst Kombinats Trier haben am Freitag im Waschsalon in der Brückenstraße auf jeweils einer Waschmaschine ihre Bilder und Objekte vorgestellt – während die regulären Kunden des Salons dabei in aller Ruhe ihre Wäsche wuschen, trockneten und sortierten. Diese Aktion fernab von Galerien und Ateliers stieß auf großes Interesse: Kurz nach Eröffnung der Ausstellung war der Raum von zahlreichen Besuchern gut gefüllt.
Ein Motto für die Werke selbst gab es nicht; einige Künstler bezogen sich daher auf die Ausstellung selbst, wie Oliver Kremer mit seinem pop-artigen Gemälde, auf dem gut sichtbar eine Waschmaschinen-Trommel prangte. Andere wiederum zeigten schlicht ihre regulären Objekte. So wie Susanne Prümm mit einer feinen Schwarz-Weiß-Malerei, die fast wie ein Linoleum-Schnitt aussah, oder Oliver Wetter mit seinem Objekt “Deus Ex Machina” – einem Cyborg-ähnlicher Schädel, der aus einem Verstärker ragt.
Trotz des regen Interesses für die Exponate störte die laufende Ausstellung die normale Salon-Kundschaft nicht, im Gegenteil: “Das ist eine tolle Idee”, sagt Wendy Weinerlein, die mit Mann und Tochter von der Aktion überrascht wurde. “Es ist nur etwas peinlich, in aller Öffentlichkeit unsere Unterwäsche zusammenzulegen!”
Nachdem das Kunst Kombinat, das sich als Künstler-Netzwerk versteht, im Spätsommer sein Atelier in der Zurmaiener Straße verlassen musste, war Initiator Laas Koehler auf der Suche nach Alternativen. Die Idee zu dieser Aktion kam ihm zufällig, als er an einem Waschsalon vorbeifuhr. “Dieser Ort befreit die Ausstellung von der üblichen Etikette, die in diesem Zusammenhang fast albern wäre”, sagt Koehler. Claudia Wenzler, eine der ausstellenden Künstlerinnen, gibt ihm recht. “Vielleicht nehmen auch so die Berührungsängste gegenüber der Kunst etwas ab.”
Nach zwei Stunden war der Spuk wieder vorbei. Zukünftig will das Kombinat vierteljährlich weitere Aktionen starten – ob und an welchen außergewöhnlichen Orten diese dann stattfinden werden, will Koehler noch nicht verraten.

Von Pop-Art bis zur Schwarz-Weiß-Malerei
Wäsche zusammenlegen, während im Hintergrund eine Kunstausstellung zu sehen ist: Bei der Aktion „120 Minuten Kunst … im Schleudergang“ funktioniert diese Kombination. TV-Foto: Anita Lozina
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